Mittwoch, den 13. Dezember 2006, 23:54 - Der ganz normale Wahnsinn




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Fast so spannend wie der Fall Litvinenko ist die Geschichte meines Internet-Dealers. Aber der Reihe nach.
Tragisch ist aber, wenn dieser Mittelsmann seit Wochen unauffindbar ist, sich ein Problem im RZ einstellt, dies aber niemand anders an die Geräte lässt. Ob jetzt das besagte Polonium 210 ins Spiel kommt? Man weiß es nicht! Das beste sei, der Herr wäre "verschieden" meinte mein Dealer, dann käme man am schnellsten an die alten Daten.
Denn es ging nicht. Oder besser: Es ging nur noch. Ab Kilometer 26 ungefähr. Ich hätte dort zwar sagen können: Experiment misslungen, hör' auf!Aber die nette Medaille vom 10. Köln-Marathon wollte ich dann doch haben. Und dafür musste ich halt wandern. Dass das kein reines Vergnügen war, erwähne ich hier nur kurz und verzichte auf weiteres Gejammer. Und die geliebte Statistik heute auch nur in der Sparversion:


Der Jungfrau-Marathon.
Auf jeden Fall wurde ich am Tag X schon mal mit perfektem Wetter belohnt. Der Blick aus dem Fenster beim Aufwachen auf die weiße Jungfrau vor blauem Himmel ließ das Adrenalin steigen. Und so standen Georg und ich in gespannter Erwartung in Mitten der übrigen gut 4.000 Mitläufer. Pünktlich um 9:00 Uhr fiel der Startschuss und der Lindwurm setzte sich zunächst zum Schaulaufen durch Interlaken in Bewegung. „Nur nicht zu schnell los.
Die Körner brauchst du noch später am Berg!“ war der Ratschlag, den es zu beherzigen galt. Gar nicht so einfach, denn die äußeren Bedingungen und die Stimmung waren einfach traumhaft. Mit ca. 5:40 Minuten auf den Kilometer haben wir aber unser Wohlfühltempo gefunden und genossen die ersten zehn flachen Kilometer über Böningen bis Wilderswill.
Auf dem folgenden Abschnitt ging es konstant aber moderat bergan, bis wir in Lauterbrunnen die Halbmarathon-Markierung passierten. Rechts und links türmten sich alsbald steil die Felshänge auf. „Wie soll man denn da hoch?“ war die meistgestellte Frage bei den Läufern rundum. Nun, wenig überraschend gab einen Weg, aber es war sofort klar, warum der Streckenabschnitt zwischen Kilometer 26 und 28 „Die Wand“ heißt. Laufen ist hier nicht mehr möglich – zumindest in meiner Leistungsklasse, so dass wir gehend die jubelnden Zuschauer in Wengen erreichten. Ab hier wurde es ein Mix aus Laufen und Gehen. Obwohl ich merkte, dass Georg den Berg schneller als ich hoch könnte, habe ich mich noch gut gefühlt. Alsbald wurde man für die bisherigen Strapazen auch mit einem sagenhaften Blick auf die Namensgeberin der Veranstaltung belohnt.
Laufen funktionierte nicht mehr. Waden wie Oberschenkel balancierten immer auf dem schmalen Grad zum Krampf entlang. Die Bergwelt ließ sich dabei nicht wirklich mehr genießen. Also machte ich aus der Not eine Tugend und guckte mir bei den zahlreichen Massage-Stationen eine nette Masseurin aus und ließ mir die Muskeln lockern. Genial, so zu sitzen, die Berge vor einem, und den Krampf aus den Beinen verschwinden zu fühlen. Ich träumte vor mich hin. Das hätte stundenlang so weiter gehen können, aber irgendwann kam ich dann doch in die Realität zurück und ich bin weiter.
Das schwerste Stück stand noch bevor. Die Moräne hoch bis zum Jungfrau Gletscher, wo der berühmte Dudelsackspieler den höchsten Punkt der Strecke markiert. Obwohl nur noch 3 oder 4 Kilometer entfernt, sollte es noch sehr lange dauern, bis ich in zu sehen bekam. Die Bunte Perlenschnur von Läufern, respektive an dieser Stelle: Gehern, die auf dem Grat nach oben strebte, gab nur einen vagen Vorgeschmack. Der Einstieg in die Moräne gelang noch gut. Aber ungefähr bei Kilometerschild 39 spürte ich das Bedürfnis, mich mal kurz ins Gras zu setzen. Es war nicht das sonst bei mir übliche Kopfproblem, auch waren die Beine in Ordnung.
Der Magen fühlte sich zwar besser, nachdem ich erneut den Trinkgurt abnahm, aber ein konkretes Magenproblem konnte ich nicht ausmachen. Also wieder auf. Ich merkte deutlich, wie ich die nachfolgenden Leute aufhielt und setzte mich erneut. Die zehn Alphornbläser am Steilhang wirkten bestimmt beindruckend vor der imposanten Bergkulisse, aber dafür hatte ich in dem Moment leider kein Auge. Wanderer, die uns entgegenkamen, boten mir Wasser an, was ich dankbar annahm. Das Wechselspiel von einigen Schritten gehen und Ausruhen wiederholte sich noch ein paar mal, wobei die Anzahl der Schritte immer weniger wurde. Dann, nach erneutem Antritt, an der gefühlt steilsten Stelle, merkte ich, wie sich mein Magen um 180° zu drehen begann. Weitere Details spare ich mir hier.
Aber danach ging es mir wieder richtig gut. Oder sagen wir: den Umständen entsprechend. Der Kilometer zwischen 39 und 40 wird jedenfalls mit 42 Minuten als der längste in meine Geschichte eingehen. Fast leichtfüßig kam ich beim Dudelsackspiele an und konnte die letzten anderthalb Kilometer sogar fast genießen bevor ich acht Minuten vor Zielschluss endlich die Ziellinie überquerte.
| km | Lap | Split | km | Lap | Split | km | Lap | Split | km | Lap | Split |
| 1 | 05:49 | 00:05:49 | 12 | 06:10 | 01:10:02 | 22 | 05:57 | 02:12:41 | 33 | 13:44 | 03:53:22 |
| 2 | 05:36 | 00:11:25 | 13 | 06:55 | 01:16:57 | 23 | 06:10 | 02:18:51 | 34 | 11:08 | 04:04:30 |
| 3 | 05:43 | 00:17:08 | 14 | 04:39 | 01:21:36 | 24 | 05:16 | 02:24:07 | 35 | 14:18 | 04:18:48 |
| 4 | 05:32 | 00:22:40 | 15 | 05:53 | 01:27:29 | 25 | 05:30 | 02:29:37 | 36 | 26:40 | 04:45:28 |
| 5 | 05:42 | 00:28:22 | 16 | 06:26 | 01:33:55 | 26 | 08:16 | 02:37:53 | 37 | 14:16 | 04:59:44 |
| 6 | 05:42 | 00:34:04 | 17 | 06:34 | 01:40:29 | 27 | 14:48 | 02:52:41 | 38 | 12:24 | 05:12:08 |
| 7 | 05:39 | 00:39:43 | 18 | 06:35 | 01:47:04 | 28 | 13:27 | 03:06:08 | 39 | 42:40 | 05:54:48 |
| 8 | 05:40 | 00:45:23 | 19 | 06:32 | 01:53:36 | 29 | 06:52 | 03:13:00 | 40 | 14:26 | 06:09:14 |
| 9 | 05:44 | 00:51:07 | 20 | 06:34 | 02:00:10 | 30 | 10:57 | 03:23:57 | 41 | 06:26 | 06:15:40 |
| 10 | 05:44 | 00:56:51 | 21 | 06:34 | 02:06:44 | 31 | 07:21 | 03:31:18 | 42 | 06:17 | 06:21:57 |
| 11 | 07:01 | 01:03:52 | HM | 00:37 | 02:07:21 | 32 | 08:20 | 03:39:38 | M | 01:00 | 06:22:57 |
als letzte Woche war es diese Woche definitiv. Zumindest gegen Ende. Eine Jogging Einheit am Dienstag und die 5x1000 m von Mittwoch hatten noch ganz manierliche Temperaturen. Aber die 2 1/2 Stunden in der Mittagshitze des Samstags haben mir erst mal einen Sonnenbrand im Nacken beschert. Aber zusammen mit den 1 1/2 Stunden in der sonntäglichen Schwüle auch das Gefühl, in dieser Woche gut was getan zu haben.
Nun beginnt die heiße Phase der Vorbereitung auf die Jungfrau. Die letzten Wochen ließen sich noch etwas zäh an. Aber diese Woche war schon hoffnungsvoller. 3 Einheiten in den Laufschuhen, dabei fast 60km und noch zwei Einheiten Kräftigung im Studio. Da heißt es jetzt dran bleiben. Und um beim Titel des Eintrags zu bleiben: Heiß war vor allem das Wetter als wir heute um die Sengbachtalsperre trabten. Ich gegen Ende und an vielen Steigungen wieder mit Respektsabstand hinter Wolfgang und Dirk, aber immerhin. Und um mich zu wiederholen: Dranbleiben!